Verantwortung – Wir bewegen Politik

Die Schöpfung bewahren

Sabine Slawik, Vizepräsidentin des Katholischen
Deutschen Frauenbundes
Foto: Bardehle

Sabine Slawik ist Vizepräsidentin des KDFB und stellvertretende Landesvorsitzende im Landesverband Bayern. Sie setzt sich unermüdlich für nachhaltigen Konsum ein. Auch bei ihrer Arbeit im Kompetenzforum Eine Welt – Globale Verantwortung richtet sie den Blick auf die großen Zusammenhänge.

Warum ist es dem KDFB so wichtig, zukunftsgerichtet Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen?

Als Katholikinnen sind wir aufgerufen, unseren Teil für die Bewahrung der Schöpfung beizutragen – damit die Zukunft enkelverträglich gestaltet werden kann. Es geht nicht nur darum, dass wir uns als Verband dieser Aufgaben bewusst sind. Dieses Bewusstsein muss bei jeder einzelnen Frauenbundfrau ankommen. Um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen, müssen wir unser Konsumverhalten überdenken. Dafür müssen wir uns die Zusammenhänge bewusst machen.

Inwieweit kann der KDFB auf die öffentliche Meinungsbildung Einfluss nehmen?

Wir greifen wichtige Themen früh auf. Als wir 2014 im Diözesanverband Augsburg Plastikfasten anstießen, war die Medienresonanz groß. Viele Initiativen im Verband folgten. Gerade beim Thema Plastik hat der Frauenbund an der Bewusstseinsbildung großen Anteil. VerbraucherService Bayern im KDFB, Landfrauenvereinigung und Zweigvereine wiesen deutlich auf die Gefahren von Mikroplastik hin. Ein Jahr später verabschiedete der KDFB-Bundesausschuss seine Stellungsnahme „Kein Mikroplastik in Alltagsprodukten“ und richtete seine Forderungen an die politisch Verantwortlichen. So halten unsere Positionen auch in der Politik immer wieder Einzug. Wir können das nur leisten, weil wir den VerbraucherService und die Landfrauenvereinigung als Expertinnen in unseren Reihen haben.

Was kann der Verband bewegen?

Frauenbundfrauen haben den Blick schon immer aus der eigenen Pfarrei heraus gerichtet, Verantwortung für Klima und Umwelt übernommen und klare Positionen für eine lebenswerte Welt formuliert. Wir wissen, dass sich unser Konsumverhalten direkt auf die Produktionsbedingungen im Süden auswirkt. Alles hängt mit allem zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns selbst und andere bewegen, Verantwortung zu übernehmen: sowohl für nachhaltige Wirtschafts- und Finanzkreisläufe als auch für menschenwürdige und sozial verträgliche Produktions- und Arbeitsbedingungen. Unsere Forderung nach politischen Maßnahmen und Entscheidungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt, das Klima und unsere Lebens- und Konsumweise ist Ausdruck unserer Verantwortung für die Welt. Der KDFB ist ein großer und starker Verband, der viel bewegen kann. Davon bin ich absolut überzeugt. Wir müssen einfach weitermachen.

Neben der Verantwortung vor der eigenen Haustür, haben wir auch eine Verantwortung für die Eine Welt. Wie zeigt sich das im Verband?

Frauenbund-Frauen unterstützen mit den Verkaufserlöse aus ihren kreativen Arbeiten zu Ostern und Weihnachten, sowie  Kaffee- und Kuchenangeboten bei Pfarrgemeindefesten nicht nur die eigenen Pfarreien, sondern von jeher verschiedenste Eine-Welt-Projekte. Zunehmend rücken auch hier Projekte in den Fokus, die speziell der Bildung, Ausbildung und Gesundheitserziehung von Frauen in den Ländern des globalen Südens dienen.  Den Blick über den Tellerrand hinaus richten wir im KDFB mit der jährlichen Spendenaktion, die wechselweise nationalen und internationalen Frauenförderprojekten zu Gute kommt. Daneben gibt es seit 2008 die sehr erfolgreich laufende Solibrotaktion, die in Kooperation mit Misereor während der Fastenzeit durchgeführt wird und nach wie vor neue Akteurinnen gewinnt.

Inwiefern ist unser Konsumverhalten entscheidend, und was kann der KDFB für bewusste Konsumentscheidungen tun?

Es ist wichtig, dass wir mit gutem Beispiel voran gehen: so hat die Bundesgeschäftsstelle das Umweltzertifikat  „Zukunft einkaufen“ erhalten und verpflichtet sich u.a. dauerhaft ökofair einzukaufen. Die Landesgeschäftsstelle des VSB und bereits sechs seiner Beratungsstellen  sowie einige Diözesangeschäftsstellen sind nach den Kriterien des Grünen Gockels, dem kirchlichen Umweltmanagement, zertifiziert. Daran  anschließen muss sich, dass wir auch privat bei unseren Konsumentscheidungen dazu beitragen, unsere Welt lebenswert zu erhalten. Eine Studie, die beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum vorgestellt wurde, nimmt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährung in den Blick. Demnach können die Treibhausgase um ein Drittel reduziert werden, wenn wir weniger Fleisch konsumieren. Die Frage, wie gestalten wir unsere Urlaube, schließt sich an. Muss es die Flugreise oder die Kreuzfahrt sein? Dazu kommt die Verantwortung, unsere eigenen Kommunen lebenswert zu halten. Das kann auch bedeuten, dass wir dem kleinen Laden im Ort eine Chance geben und zum Einkaufen nicht automatisch die großen Märkte und Discounter auf der grünen Wiese ansteuern. Unser Ziel muss es sein, die Sensibilisierung für diese Themen wach zu halten und  die Zukunft enkelverträglich mitzugestalten – als Verband und als einzelne Frauenbundfrau.

Verantwortung übernehmen

Wer sein Konsumverhalten kritisch unter die Lupe nimmt, kann etwas bewegen. Wenn es viele tun, wird die Veränderung größer. Als Frauenverband wollen wir weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zu einer Zukunft, die für nachfolgende Generationen noch lebenswert ist. Wir sehen die Verantwortung und übernehmen sie. Uns reicht es nämlich mit dem Plastikmüll. Wir sagen: „Halt! Es ist genug!“

Als Christinnen stehen wir in der Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung. Eine gerechte Nutzung der Ressourcen muss auch für unsere Kinder und Enkelkinder möglich sein. Deshalb halten wir ein Umdenken im Gebrauch und in der Herstellung von Plastik für nötig. Wir meinen: Mikroplastik hat in Alltagsprodukten nichts zu suchen.

Wir reden nicht nur, wir handeln auch.

Wir nehmen mit Sorge wahr, dass die Ansammlung von Plastikmüll zunimmt. Wir sagen „Halt! Es ist genug!“

Wir appellieren an Verbraucherinnen und Verbraucher, auf Plastikverpackungen weitestgehend zu verzichten. Die Natur ist voll von den Restbeständen unseres Konsums. Wir appellieren an die Politik, dafür Sorge zu tragen, dass Müllberge reduziert werden. Wir appellieren an die Wirtschaft, alternative Verpackungsformen weiter zu entwickeln und bereits bestehende Alternativen aktiv zu nutzen. Alle müssen Verantwortung für eine lebenswerte Welt übernehmen.

Der VerbraucherService im KDFB befasst sich intensiv mit diesem Thema. Tipps und Anregungen zum Umgang finden sich hier: https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/plastikfasten

Weiterführende Links

Ökumenische Initiative Eine Welt e.V./ Erd-Charta Koordination Deutschland – www.erdcharta.de

„Klimafasten“ – nicht nur zu Ostern: Mehrere kirchliche Initiativen rufen zur Fastenzeit zum „Klimafasten“ auf und bitten darüber nachzudenken, „wo wir mit unserem Verhalten und unserem Konsum andere Menschen und das Leben auf dieser Erde schädigen“.

Aktionsimpulse

Die Themen:

2019-04-03T12:30:51+00:00