In diesem Refrain von den Kolibris spiegelt sich ganz viel von dem wider, was von vielen gerade schmerzlich vermisst wird: Unbeschwertheit, Gemeinschaftserleben, Lebensfreude.

Wenn ich in den letzten Tagen mit Menschen ins Gespräch gekommen bin, berichten viele davon, wie beschwert ihr Alltag gerade ist. Viele Familien reiben sich aneinander auf, die Mehrfachbelastung Homeoffice und Homeschooling der Kinder, reduzierte Freizeitmöglichkeiten setzen vielen zu und legen die Nerven frei. Enormer Druck bei vielen Selbstständigen, finanzielle Einbußen, fehlende Sozialkontakte, Angst vor dem Virus ….

Natürlich begegnen mir aber auch Menschen, die sich gut mit den reduzierten Möglichkeiten arrangiert haben.

Die meisten meiner Gesprächspartner sind sich dennoch einig: es geht uns gut, wir klagen auf hohem Niveau und haben dazu im Vergleich zu vielen anderen eigentlich auch keinen Grund.

Das sehe ich anders! Es gibt viele Gründe zur Klage und hoffentlich haben viele von Ihnen Menschen im Umfeld, die sich Ihre Klage anhören und ernstnehmen. Vielleicht hat die Klage auch einen Platz in Ihrer Spiritualität und Ihrem Gebetsleben? Was wäre das für ein Gott, wenn nur der Dank und die Bitte angebracht wären? Eine gute Freundschaft oder Beziehung zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass ich nicht nur dann und mit dem kommen kann, wenn mir Dinge gelingen und ich stark bin, sondern eben auch mit meinen (Selbst-) Zweifeln, Sorgen, Scheitern und eben auch der Klage.

Grund zur Klage haben in diesen Tagen auch viele Jecken oder Narren. Auch wenn unsere Karnevalsvereine in der Vulkaneifel digitale Möglichkeiten gefunden haben und Sitzungen aus den Hochburgen im Fernsehen übertragen werden, ist es so manchem Karnevalisten schwer ums Herz. Ich würde mich nicht als Vollblutkarnevalisten bezeichnen, sondern feiere die Feste wie sie fallen oder in den zurückliegenden und den noch kommenden Monaten eben auch nicht.

Beruflich läuft auch einiges: meistens unaufgeregt, vieles exemplarisch und im Verborgenen. Es finden inflationär zunehmend (nervige) Videokonferenzen statt, Telefonate, Krankenbesuche, Gottesdienste, Erstkommunionvorbereitung… es wird mir nicht langweilig.

Manches von dem was wir als Kirche oder als Seelsorgende gerade tun, wird von einigen Zeitgenossen sehr kritisch beobachtet und bewertet. Ich bin der Meinung, dass „wir“ im Vergleich zu vielen anderen Branchen gerade sehr privilegiert sind, woraus berechtigterweise auch Erwartungen und Ansprüche erwachsen. Die Möglichkeiten die wir haben, sollten wir verantwortet und gut nutzen und uns darum bemühen, unter den jeweiligen Bedingungen das Beste daraus zu machen.

Homeoffice ermöglicht es mir, meine Arbeitszeit noch flexibler einzuteilen, die Themen in Ruhe anzugehen und nebenbei auch noch in unserem Impfzentrum ehrenamtlich zu unterstützen. Das ist eine wirklich sehr schöne Aufgabe, weil viele Senioren nach erfolgter Impfung sehr entspannt sind und dankbar für eine Ansprache, ein gutes Wort und eine Zuwendung.

An Weiberdonnerstag habe ich vor Dienstbeginn „ältere“ Karnevalslieder auf mein Handy gespielt, bin mit Bluetooth Box zum Impfzentrum und war positiv überrascht, als die Kolleg*innen am Empfang mich im Kostüm begrüßten. Nachdem ich dann auch offiziell die Erlaubnis hatte, wurde der ästhetisch eher reduzierte Wartebereich nebst Musik auch noch mit farbigem Licht geflutet.

Ich bilde mir ein, dass die eh schon positive Stimmung dadurch noch weiter aufgewertet wurde. Viele Senioren saßen schunkelnd auf ihren Stühlen, manche summten die Melodien mit, andere wippten ihre Füße oder stampften mit den Gehhilfen im Takt. Es war einfach schön und zum Teil wirklich ergreifend.  Für die Aktiven im Impfzentrum hatten wir von der Pfarreiengemeinschaft eine Jecke Fairsuchung- Schokolade und Sweet Hearts-Fruchtgummi besorgt und übergeben.

Natürlich lenken die Karnevalstage für manch einen den Blick auch schon auf den Aschermittwoch und die folgende Fastenzeit. Damit habe ich dieses Jahr so meine Schwierigkeiten. Das Aschenkreuz darf nicht wie bei uns üblich auf die Stirn gezeichnet werden, sondern die Asche wird auch den Kopf gestreut. Allein die Vorstellung befremdet mich, auch wenn das natürlich die ursprüngliche Form ist.

Ich bin der Meinung, dass ich und die allermeisten anderen seit Mitte März letzten Jahres auf vieles verzichten müssen. Natürlich würde mir der Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol, eine Ernährungsumstellung oder schlicht weniger Fleisch nicht schaden. Aber jetzt nehme ich MISEREOR beim Wort: Es geht! ANDERS. Natürlich kauf ich Solibrot beim Bäcker oder lass auch mal Wechselgeld in der Spendenbox an der Kasse. Statt weniger Essen, erkläre ich mich solidarisch mit den Gastronomen und gönne mir jeden Sonntag ein Gericht to go. Dem nächsten Obdachlosen biete ich ne FFP2 oder medizinische Maske an und auf manchen Spaziertouren werde ich eine Tüte mitnehmen und Müll einsammeln, anstatt mich darüber zu ärgern. Ich bin mal gespannt, auf was für Ideen ich noch komme oder gebracht werde. Im Matthäusevangelium steht: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht …“

Vielleicht heb ich nicht vor Begeisterung die Hände zum Himmel …Aber warum eigentlich nicht?!

Stefanie Peters ist Vorstandsmitglied im KDFB-Diözesanverband Trier, arbeitet als Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Hillesheimer Land und ist ehrenamtlich im Deutschen Roten Kreuz engagiert.