Ostermontag, vormittags um 11 Uhr. Ich habe mich auf den Boden gelegt auf der Terrasse und schaue in den Himmel. Wärme im Rücken und der Blick ins Licht. Es waren besondere Kar- und Ostertage. Intensive Tage.
Die Bilder ziehen an mir vorüber; die Szenen sind nah und dicht. Genährt vom Erlebtem in der Familie, von Musik und Texten im Netz. Und vor allem durch Begegnungen am Telefon oder in Chats. Ohne Corona hätte ich nicht so viel kommuniziert; vielleicht hat mir genau das lange gefehlt.

Vor allem zwei Geschichten haben mich durch die Feiertage begleitet: Es ist die einer guten Freundin, die derzeit zehn Stunden am Tag in ihrem Büro sitzt und versucht, die Insolvenz der Firma abzuwenden. Sie telefoniert und mailt mit Anwälten und Geschäftspartnern, hat sich über Nacht mit dem Thema Kurzarbeit auseinandersetzen müssen. Die Kinder haben sich zuhause alleine um die Schularbeiten gekümmert, Oma fällt in diesen Wochen aus, Papa als Hausarzt unterwegs auf Hausbesuchen – mit einer Schutz-Maske, die er sich von einem befreundeten Lackierbetrieb besorgt hatte. Wir haben ihnen Ostern einfach einen Teller Kuchen vor die Tür gestellt und ein paar Worte dazugelegt. Zurück kam ein großes Dankeschön und das Foto eines noch größeren Osterfeuers im Garten – so groß, dass die örtliche Feuerwehr in der Osternacht im Garten gestanden hatte; weil die Fantasie der Nachbarn wahrscheinlich noch ein bisschen größer gewesen ist … 🙂

Ähnlich stark und doch ganz anders berührt hat mich das Gespräch mit einem befreundeten Priester, den ich vor mir sehe in seiner leeren Kirche auf dem Land: Die ersten beiden Male, als er die Eucharistie dort ohne Gemeinde feiern musste, konnte er kaum sprechen. Er hat mit den Tränen gekämpft, erzählte er mir. Es gab keinen Livestream, ganz bewusst nicht. Das fand er weder für sich noch für die Gemeinde passend. Und die Glocken hat er nicht zu Gottesdienstbeginn läuten lassen, sondern nur während des Abendmahls. In dem Moment, in dem er mit dem Herzen ganz bei seiner Gemeinde war. Er telefoniert sehr viel in diesen Wochen, weiß genau, wer seinen Anruf im Moment sehr nötig braucht. Kurz nachdem wir miteinander gesprochen haben ist er mit einer Frau aus seiner Gemeinde zum Spaziergang mit Abstand verabredet. In einer schwierigen Lebenssituation fällt es ihr momentan schwer, alleine zuhause zu bleiben. Und für die Osternacht hatte er eine alte Dame in die Kirche eingeladen, psychisch labil. Er weiß um den Halt, den ihr der Gottesdienst gibt. Sie solle es nicht erzählen und sich in die letzte Bank setzen, hat er ihr gesagt. Sie war überglücklich. Ich habe ihm ein Foto unseres kleinen Osterfeuers aus dem Garten geschickt und ihm gesagt, dass wir an ihn denken.

Meiner besten Freundin habe ich in der Osternacht geschrieben. Ich musste ihr einfach mal wieder sagen: „Schön, dass es Dich gibt!“ Wir waren uns einig: wenn uns in diesen Tagen etwas fehlt, dann ist es der Osternachtsgottesdienst. Es ist auch der Abend an dem wir beide uns normalerweise sehen. In dieser Nacht kommen wir traditionell in unsere alte Gemeinde zurück. Dort beginnt der Gottesdienst im Dunkeln, im Hof der Kirche. Drum herum stehen all die Menschen, die wir nachher in den Arm nehmen werden. Wir lassen uns stärken von der Gewissheit: das Feuer wird brennen; Wärme und Licht werden uns berühren. Das „Lumen christi“ und das „Deo gratias“ werden wir hören. Wir freuen uns gemeinsam auf dieses Geschehen im kommenden Jahr. Die Kinder dieser Freundin haben ein schönes Wort kreiert, mit dem sie das Fehlen der Osternacht beschrieben haben. Sie sagten, das sei „unösterlich“.

Für meine Kinder gehören zu Ostern in erster Linie Spätzle und Lammbraten bei Oma und der Wettbewerb um die meist gefundenen Eier im großelterlichen Garten. Oma und Opa waren traurig, dass wir nicht da waren – aber Oma hat trotzdem gekocht. Wir hatten Lammkeule und Ostereier to go. Und noch etwas haben wir mitgenommen – und das war gut und wichtig: die Tradition, dass wir an Ostern (ebenso wie an Weihnachten) gemeinsam am Tisch das Vaterunser beten und zuvor all jene Verstorbenen nennen, an die wir an diesem Tag besonders denken.

Mein Ostermontag endet im Garten, die Sonne steht jetzt auf der anderen Seite des Hauses. Die Kinder verbringen die zweite Hälfte der Feiertage bei ihrem Papa. Das ist ok so, wir haben hier gute Regelungen gefunden. Thomas ist immerhin stundenweise da gewesen. Ich blicke in den Abendhimmel; voller Dankbarkeit über ein so reiches Ostern, ein Ostern in Fülle!

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