Heute wäre der Tag gewesen. Der Tag am Beginn einer neuen Lebensphase. Heute Morgen wären wir eigentlich im Flugzeug gesessen, auf dem Weg in die USA. Der erste Familienurlaub seit langer Zeit, alle drei Kinder wären mitgekommen. Ich hatte überlegt, gar nicht davon zu erzählen. Denn ich finde es unpassend, über gestrichene Urlaube zu lamentieren in einer Zeit, in der andere um ihre Existenz kämpfen. Aber es wäre für uns weit mehr gewesen, als irgendein Osterurlaub in der Wärme. Jetzt hat Corona unsere Lebensplanung auf unbestimmte Zeit blockiert.

Thomas‘ Abteilung im Krankenhaus wurde Ende März geschlossen. „Umstrukturierung“ und „Strukturwandel“ stand in der offiziellen Pressemitteilung. Trotz seines absoluten Unverständnisses über diese Entscheidung war es für ihn und uns eine Chance: Er wollte ab April weniger arbeiten, geplanter. Nur Sprechstunde, kleinere OPs, Wochenenddienste nur im Notfall. Wir alle hatten uns auf das gefreut, was die letzten Jahre nicht möglich war: echtes Familienleben, Zeit füreinander, wieder mehr soziale Kontakte, vielleicht mal wieder ein Ehrenamt. Ab jetzt sollte eine andere Klinik seine Patienten übernehmen. Zumindest auf dem Papier. Aber in Corona-Zeiten ist alles anders. Die anderen Häuser haben wegen Corona selbst weniger Kapazitäten. Also macht er alleine weiter, im selben Tempo wie bisher; ohne Ablöse, seine Mannschaft ist schon seit Wochen nicht mehr da.

Es ist nicht aufgehoben, nur aufgeschoben. So hoffe ich wenigstens. Und so sage ich es mir selbst. Aber diese Ungewissheit der vergangenen Jahre ist in diesen Wochen wieder lebendiger denn je: Wieviel Zeit bleibt uns allen zusammen, solange die Kinder noch nicht aus dem Haus sind? Wann können wir beginnen, über den Tag hinaus zu planen?

Im Moment bleibt nur, jeden Tag und jeden Moment so anzunehmen, wie er kommt. Aber das fällt manchmal echt schwer.